Fokus Festung Europa- Film: BOZA

Dienstag, 30. September 2014 - 19:30 Filmhauskino Köln

Regie: Walid Fellah; Tunesien/Marokko 2014;
OF m. dt. UT; DVD; 55 min.
Eine Veranstaltung von FilmInitiativ Köln im Rahmen des Afrika Film Festivals "Jenseits von Europa XIII"

In Anwesenheit des Regisseurs Walid Fellah (Tunesien) und des Aktivisten Trésor (Kamerun)

Eintritt frei

„Boza“ ist ein Wort in der westafrikanischen Sprache Bambara und bedeutet „Sieg“. „Boza“ rufen auch MigrantInnen aus Ländern südlich der Sahara, wenn sie es nach oft jahrelangen vergeblichen Versuchen endlich geschafft haben, die militärisch bewachte europäische Außengrenze zu überwinden. Möglichkeiten dazu bieten die spanischen Enklaven Ceuta und Melilla, die zwar an der marokkanischen Mittelmeerküste liegen, aber formal zur EU gehören.
Tausende MigrantInnen leben versteckt in Wäldern rund um die beiden Hafenstädte in der Hoffnung, irgendwann über deren mit NATO-Stacheldraht bewehrte Festungsmauern zu gelangen. Bei Versuchen, diese Grenzen zu stürmen, gibt es immer wieder Schwerverletzte und Tote, wie der Kameruner Trésor bezeugen kann, der auf diesem Weg nach Europa gekommen ist. Der tunesische Filmemacher Walid Fellah begleitete ihn und andere auf ihren klandestinen Reiserouten und nahm auch an dem „Marsch für die Freiheit“ von Straßburg nach Brüssel teil, mit dem 400 AktivistInnen im Sommer 2014 „gegen die rassistische Migrations- und Grenzpolitik der EU“ demonstrierten.

In Kooperation mit afrique-europe-interact (Dortmund/Bochum), Kein Mensch ist illegal (Köln), allerweltshaus Köln, Rosa-Luxemburg-Stiftung NRW & Stiftung :do (Hamburg)


Walid Fellah
ist in der südtunesischen Stadt Zarzis geboren und hat Architektur studiert. An der Universität war er Mitglied der Studentenvertretung „Union générale des étudiants tunisiens“ und im Verband der Amateurfilmer, der „Fédération tunisienne des cinéastes amateurs“ (FTCA). Zusammen mit anderen jungen FilmenthusiastInnen organisierte er in seiner Geburtsstadt das Kurzfilmfestival, „Journées cinématographiques du court-métrage“. Nach Beginn der Proteste gegen die Ben Ali-Diktatur begann er 2011, auch einen ersten eigenen Dokumentarfilm zu drehen – über junge TunesierInnen, die das Land Richtung Italien und damit in eine ungewisse Zukunft verließen.
Im Juni 2014 nahm Walid Fellah am „Marsch für die Freiheit“ von Straßburg nach Brüssel teil, mit dem 400 AktivistInnen im Sommer 2014 „gegen die rassistische Migrations- und Grenzpolitik der EU“ demonstrierten. Aktuelle Aufnahmen von dieser Protestaktion sind auch in seinem Film BOZA zu sehen, den er im Nachspann des Festivals in einer Sonderveranstaltung in Köln präsentiert (am 30.9.) und der an den militärisch gesicherten Außengrenzen Europas beginnt.


Trésor
stammt aus Kamerun und hat es geschafft, sich über die spanische Enklave Melilla (an der Nordküste Marokkos) nach Europa durchzuschlagen. Er musste mit ansehen, wie andere ihren Versuch, den mit NATO-Stacheldraht gesicherten Grenzzaun der Festung Melilla zu überwinden, mit dem Leben bezahlten. Der Film BOZA, der in Anwesenheit von Trésor zum Abschluss des Festivals in einer Sonderveranstaltung gezeigt wird, dokumentiert die beschwerlichen Wege zahlloser klandestiner MigrantInnen nach Europa.
Trésor wurde 1980 in Edea in Kamerun geboren und lebt seit 2004 als illegalisierter Migrant in Europa. Er trat als Zeitzeuge in mehreren Dokumentarfilmen auf und richtete eine Webseite zum Thema ein (www.voixdesmigrants.com) sowie eine gleichnamige Seite auf Facebook. Er setzt sich seit seiner Ankunft in Europa engagiert für die Rechte von MigrantInnen ein, so z. B. im Juni 2014 bei einem Marsch von AktivistInnen „für die Freiheit“ von Straßburg über Schengen nach Brüssel.