Zugesehen, mitgemacht, profitiert?

Wie Kölns Wirtschaft, Verwaltung und Presse die Nationalsozialisten unterstützt haben
So. 24.Februar 2008, 14.00 bis 17.00 Uhr
Filmforum NRW (Museum Ludwig)

DIE KRITISCHE AUSEINANDERSETZUNG mit der NS-Zeit ist auch 75 Jahre nach der Machtergreifung aktuell. In Köln wird sie allerdings durch gerichtliche Urteile und Auflagen erschwert und eingeengt. So hat das Landgericht verboten, den Vorteil, der aus dem Kauf jüdischer Grundstücke gezogen wurde, mit dem Begriff «Arisierungsprofit» zu bewerten.
TATSÄCHLICH IST ÜBER die guten Geschäfte, die die Kölner Wirtschaft mit den Nationalsozialisten machte, wenig bekannt. Die Zuarbeit wichtiger Teile der Verwaltung für das Regime und das Wirken der Presse in diesen Jahren liegen noch weitgehend im Dunkeln.
ÜBER ANDERE ASPEKTE der NS-Zeit in Köln wissen wir mehr. Das NS-Dokumentationszentrum hat viel zur Aufklärung beigetragen, die Universität der Stadt, die Justiz und die Polizei haben sich ihrer braunen Geschichte gestellt, vor fünf Jahren hat der Oberbürgermeister die Mit-Verantwortung des Kölner Rates für die «Machtübernahme» eingestanden. Sogar der organisierte Kölner Karneval hat begonnen, seine damalige Haltung aufzuarbeiten, als es antisemitische Büttenreden und Motivwagen im Rosenmontagszug gab. Im Januar präsentierte der WDR eine Fernsehdokumentation dazu.
DIE VERANSTALTUNG soll die Auseinandersetzung mit der Rolle der Kölner Wirtschaft, Verwaltung und Presse in der Zeit vor und nach 1933 voranbringen – jenseits von juristischen Maulkörben.

Nazizeit und Judenverfolgung in köln
Historische Filmszenen aus den WDR-Dokumentationen «NS-Zeit in Köln» und «Judendeportationen in
Köln», ergänzt um Fakten über den antisemitischen Terror in der Stadt.
Christa Aretz/Karl Rössel (FilmInitiativ Köln e.V.)
Täter im Hintergrund
Die Kölner Wirtschaftselite im Nationalsozialismus.
Werner Rügemer (Autor und Vorsitzender von Business Crime Control)
Organisiert von den Spitzen der Verwaltung
Die Arisierung als gutes Geschäft für gute Bürger.
Wolfgang Dreßen (Professor für Politikwissenschaft an der Fachhochschule Düsseldorf, Arbeitsstelle
Neonazismus, Initiator der Ausstellung «Aktion 3 – Wie Deutsche ihre jüdischen Nachbarn verwerteten»)

Schrieb die «Kölnische Zeitung» (StadtAnzeiger) Hitler an die Macht?
Das Verhältnis des Verlegers Kurt Neven DuMont und seiner Zeitungsredakteure zur NSDAP vor 1933.
Vanja Budde (Journalistin und Historikerin)
«Kölnische Zeitung» an die Front, «Kölnische Volkszeitung» verboten
Die Kölner Presse in Krieg und Faschismus (1933 -1945).
Albrecht Kieser (Journalist)
Böse Taten – keine Täter?
Seit Frühjahr 2006 will Alfred Neven DuMont bei Gericht durchsetzen, dass der Vorteil, den die damalige
Verlegerfamilie aus dem Kauf jüdischer Grundstücke gezogen hat, nicht als «Arisierungsprofit»
charakterisiert werden darf.
Eberhard Reinecke (Rechtsanwalt)
Moderation: Heinrich Pachl.

Es laden ein: «Allerweltsgeschichten» Köln. Business Crime Control (BCC). Verein EL-De-Haus e.V.
FilmInitiativ Köln. Geschichtswerkstatt Köln-Brück. Jugendclub Courage. Rheinisches
JournalistInnenbüro. VVN-BdA Köln.

Die Filme laufen in Kooperation mit:

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