Yusuf Demir in die Türkei abgeschoben

Heute, am 11.01.00, ist Herr Yusuf Demir in die Türkei abgeschoben worden. Er war Teil einer größeren Gruppe von Flüchtlingen, die heute von Düsseldorf aus mit einem wöchentlichen Charterflug in die Türkei deportiert worden sind.
Yusuf Demir war seit 11/2 Jahren aktiv am Wanderkirchensayl beteiligt und lebte zuletzt in der Bielefelder Bodelschwingh-Gemeinde. Er war am 05.01.00 bei einer Kontrolle auf dem Dortmunder Hauptbahnhof festgenommen und ins Abschiebegefängnis Büren gebracht worden. Heute, nur 6 Tage später, ist er bereits abgeschoben! Wir warten auf Nachricht von ihm und werden versuchen, in Istanbul Schutz für ihn zu organisieren und Kontakt zu ihm zu bekommen.

Y. Demir kam Anfang 1996 als 18-jähriger Flüchtling nach Deutschland und beantragte Asyl. Schon als 12-jähriger war er von türkischen Sicherheitskräften inhaftiert worden, weil diese seinen Vater suchten. Mit Schlägen, Bespritzen mit kaltem Wasser und anderen Foltermethoden versuchten sie ihn zum Reden zu bringen. Nach der zweiwöchigen Haft dauerten die Repressionen an. Immer wieder kam türkisches Militär ins Dorf, durchsuchte die Häuser und schlug die Bewohner, so auch Y. Demir, seine Mutter und seine Geschwister. Daher entzog er sich dem Militärdienst und entschloß sich zur Flucht. In Deutschland wurde Y. Demirs Asylantrag abgelehnt, auch Folgeanträge und Gesuche. Über eine Klage gegen die Ablehnung des letzten Folgeantrags ist noch nicht entschieden. Seit 1 ½ Jahren beteiligt sich Y. Demir am Wanderkirchenasyl. Sein hier wiederholt türkeikritisches Auftreten ist in der deutschen wie in der türkischen Presse dokumentiert.

Das Wanderkirchenasyl ist eine Protestaktion von über 450 überwiegend kurdischen Flüchtlingen aus der Türkei, mehr als 100 katholischen und evangelischen Kirchengemeinden und der Kampagne "Kein Mensch ist illegal" gegen Abschiebungen in die Türkei. Wir fordern seit nunmehr 2 Jahren gemeinsam ein Bleiberecht für Flüchtlinge aus der Türkei und ein Ende der Unterstützung der türkischen Militär- und Polizeipolitik durch die Bundesregierung. Y. Demir ist nach Süleyman Yadirgi, der schon im März 98 abgeschoben wurde, mittlerweile aber wieder in die BRD einreisen konnte, der erster Flüchtling aus dem Wanderkirchenasyl, der tatsächlich in die Türkei abgeschoben worden ist. Diese Abschiebung bedeutet den bisher schärfsten Angriff auf das Wanderkirchenasyl.

Wir fürchten nun, daß Y. Demir in Haft genommen und gefoltert werden wird. Außerdem befürchten wir, daß er zum Militärdienst gezwungen und in den Bürgerkriegsgebieten gegen die PKK und die kurdische Zivilbevölkerung eingesetzt wird. Wir klagen die NRW-Landesregierung und die Bundesregierung an, mit der Abschiebung von Y. Demir und anderen Flüchtlingen in die Türkei gegen die internationalen Verträge zum Schutz von Flüchtlingen zu verstoßen. Wir machen sie direkt für alles, was Y. Demir in der Türkei widerfahren wird, verantwortlich. Das gleiche gilt für die Richterin am VwG Münster, Köppen, die heute morgen den Eilantrag gegen seine Abschiebung abgelehnt hat. Mittlerweile haben viele Gerichte schon die Teilnahme am Wanderkirchenasyl als politischer Aktion als akute Rückkehrgefährdung und somit als Abschiebehindernis eingestuft. Einmal mehr wird die Willkürlichkeit der Asylverfahren deutlich Wir sparen uns an dieser Stelle Forderungen an die Regierungen. Statt dessen fordern wir alle, die das Lebensrecht eines Menschen immer noch höher bewerten als wirtschaftliche und territoriale Herrschaftsinteressen, auf, sich konsequent bei allen Verantwortlichen für das Menschenrecht "Bleiberecht" für Flüchtlinge und MigrantInnen einzusetzen und öffentlich einzuklagen.

Gruppe "Kein Mensch ist illegal", Bielefeld - Ökumenisches Netzwerk zum Schutz von Flüchtlingen, Bielefeld
Kontakt über: Pfarrer Joachim Poggenklas, Tel.:0521/888633 oder Buchladen Die Kronenklauer, Tel.:0521/124111

Zusatz 12.01.00: Yusuf befindet sich laut IHD (Menschenrechtsverein aus der Türkei) in Istanbul noch bei der Flughafenpolizei und muß am Nachmittag zur Staatsanwaltschaft, begründet mit fehlendem Ausweis zur Einreise.

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Protestfax zur Abschiebung von Yusuf Demir aus dem Wanderkirchenasyl Bitte weiterverbreiten!

An den
Innenminister des Landes NRW
Herrn Behrens
Fax Nr:0211/8713355
und die
Ausländerbehörde Warendorf
Fax Nr.02581/532152

Hiermit protestieren wir gegen die Abschiebung von Yusuf Demir! Herr Demir gehörte zu der Gruppe der Flüchtlinge aus dem Wanderkirchenasyl und lebte seit eineinhalb Jahren in verschiedenen nordrheinwestfälischen Kirchen. Yusuf Demir, der schon als zwölfjähriger in der Türkei inhaftiert worden war, ist jetzt extrem von Folter und Haft bedroht. Desweiteren ist er als Kriegsdienstverweigerer gefährdet inhaftiert und sofort zum Militärdienst eingezogen zu werden. Im Rahmen der Aktion Wanderkirchenasyl hat sich Yusuf Demir an verschiedenen Protestveranstaltungen beteiligt, bei denen er mit Name und Bild sowohl in der türkischen wie in der deutschen Presse erschienen ist. Es ist deshalb davon auszugehen, daß er den türkischen Behörden bekannt ist, was seine Gefährdung enorm erhöht.

Wir , die Unterzeichnenden, protestieren hiermit entschieden gegen die Abschiebung von Yusuf Demir und klagen die NRW-Landesregierung und die Bundesregierung an, mit der Abschiebung von Y. Demir und anderen Flüchtlingen in die Türkei gegen die internationalen Verträge zum Schutz von Flüchtlingen zu verstoßen. Wir machen sie direkt für alles, was Y. Demir in der Türkei widerfahren wird, verantwortlich. Das gleiche gilt für die Richterin am VwG Münster, Köppen, die den Eilantrag gegen seine Abschiebung abgelehnt hat. Mittlerweile haben viele Gerichte schon die Teilnahme am Wanderkirchenasyl als politischer Aktion als akute Rückkehrgefährdung und somit als Abschiebehindernis eingestuft.
Auf Grund der Gefährdung von Freiheit und Leben von Yusuf Demir in der Türkei fordern wir für ihn ein Aufenthaltsrecht in der BRD! Das gleiche fordern wir auch für alle anderen am Wanderkirchenasyl beteiligten Flüchtlinge!