Wir trauern um Norbert Hofmeier

* 1. Januar 1947      † 21. Juli 2015



Das Foto zeigt Norbert auf der Schiffsfahrt "Wir tauchen auf" von Köln nach Düsseldorf. Es war die erste öffentliche Aktion des Wanderkirchenasyls, an der die illegalisierten Flüchtlinge selbst teilnahmen. Es war ein guter und kraftvoller Tag für uns alle.

Ich kann Euch nur zustimmen. Ungeduldig, dickköpfig und von unbeirrbarer Standhaftigkeit für diejenigen, die Schutz und das Notwendige zum Leben suchen. Nicht lange diskutieren, keine Zeit verlieren und pragmatische Lösungen finden. Das war Norbert und so habe ich von ihm in einer politisch turbulenten Zeit vor allem eins von ihm gelernt, was immer bleibt: internationale Solidarität.
Judith

"Das Schiff durch den Strom schlingern lassen": so hat Norbert unseren Einsatz bei der Aktion Wanderkirchenasyl skizziert und auf den Punkt gebracht. Norbert und einige AktivistInnen der Kampagne "Kein Mensch ist illegal" haben 1999 über das Spannungsfeld von Unterstützung und Bevormundung innerhalb der Aktion Wanderkirchenasyl diskutiert. Unter ihnen auch der verstorbene Hermann-Josef aus Aachen. Die Auseinandersetzung um Paternalismus, herrschaftliche Fürsorge, ist nach wie vor aktuell und deshalb lesenswert. Das aufgenommene Gespräch wurde später in dem Handbuch "kein mensch ist illegal" unter dem Titel: "Das Schiff durch den Strom schlingern lassen" veröffentlicht.
Norbert, du fehlst in den oft öden Debatten.
Moni

Wir trauern um einen Freund, aber es gibt uns Kraft, zu wissen, dass viele seinen Weg der Solidarität mit den Schwachen und Geflüchteten weitergehen.
Hashem

Norbert war der sanfteste Dickkopf von kein mensch ist illegal. Sanft, wenn er sich geschmeidig durch die schier endlosen Debatten der drei K des Wanderkirchenasyls bewegte: solidarisch mit den Kurden, verständnisvoll mit den Kirchen, gewitzt in unserer Kampagne.
Okay, dass er als Drucker der Kampagne, immer noch letzte Hand an unsere Texte legte, merkte kaum jemand und war harmlos!
Nicht ganz so arglos dagegen war die Erweiterung des Wanderkirchenasyls nach Wuppertal und Oberhausen. Genauer: die diskrete Organisation von Kirchenbesetzungen mit illegalisierten Flüchtlingen, die sich an die Kampagne kein mensch ist illegal gewandt hatten, und für die wir keinen Platz in den Partner-Kirchengemeinden fanden. Mit Fingerspitzengefühl, aber unbeirrbar schätzte Norbert die politischen Szene vor Ort ein, nahm Kirchen und Gemeinden in Augenschein und ging, um zu bleiben, in die Kirchen hinein.
Hatten wir das entschieden? Wenn ja, dann wer und wo? Oder hatten wir nur klammheimlich davon geträumt?
Natürlich hatte Norbert recht. Denn, wenn wir "kein mensch ist illegal" sind, dann gilt das auch für den 430. illegalisierten Flüchtling in Wuppertal und den 492. in Oberhausen, der Schutz sucht.
Den Mut konnte von Norbert lernen wer wollte, und weil er auch nach der Besetzung nicht den (Dick)Kopf einzog, sondern beharrlich und doch sanft dabei blieb, wurde aus manch einer besetzten Kirche eine engagierte Gemeinde, und die Kampagne bekam einen "Engagement-Preis". Dank Norbert wurde damit die Abschiebung von über 100 kurdischen Flüchtlingen allein in Wuppertal und Oberhausen verhindert. Wie vielen von diesen Menschen damit das Leben gerettet wurde, weiß ich nicht, aber es werden einige gewesen sein.
Norbert, du warst der sanfteste Dickkopf von kein mensch ist illegal. Und wenn jetzt nach deinem Tod die Alten den Jungen in der Kampagne von dir erzählen, blitzt für dich die gleiche Begeisterung auf, wie du sie bei mir und vielen auslösen konntest. Ich habe sehr gerne und sehr viel mit dir gegrinst, gedacht, gehandelt für ein Hoch auf die internationale Solidarität.
Mercedes

Lieber Norbert,
wenn ich an dich denke, sehe ich dich lachen. Du hattest vor allem ein großes Herz, warst klug, reflektiert, und gleichzeitig pragmatisch, hilfsbereit und zupackend. Diese deine unglaublich umfassende Persönlichkeit war immer präsent. Du hast damit unsere Arbeit bei "kein mensch ist illegal" vor allem zur Zeit des Wanderkirchenasyls für kurdische Flüchtlinge entscheidend mitgetragen.
Neben deinem politischen Einsatz warst du als guter Freund mir, anderen Mitstreitern und Flüchtlingen persönlich verbunden. Wenn es dir wichtig war, konntest du auch hartnäckig streiten – und dann wieder mit uns feiern.
Deine Krankheit hat dich schon lange aus unserer Mitte gerissen. Aber du bleibst für mich ein lebendiger Mensch. Ich möchte um dich trauern und dich gleichzeitig feiern.
Gabriele

Wenn ich dieses Foto von Norbert anschaue, sehe ich ihn vor mir, erinnere mich an seine Gesten, seine Art, sich zu äußern, zu lachen, abzuwägen, zuzustimmen, abzulehnen, neugierig, nachdenklich und ungeduldig zu sein. Norbert war oft ungeduldig. Bei ihm lag kein langer Weg zwischen der Einsicht, etwas tun zu müssen und dem Handeln.
Er war rastlos, keiner, der sich entspannt zurücklehnte und auf das Erreichte schaute, sondern stets das Notwendige im Blick hatte, das was zu tun blieb. Als im Herbst 1997 die Kampagne kein mensch ist illegal entstand und sich in Köln Leute trafen, um sie hier zu unterstützen, war Norbert in unserer damals gemeinsamen Gruppe, dem Aktionsbündnis gegen die deutsche Kriegsbeteiligung in Kurdistan, einer der ersten, die dort neue Herausforderungen suchten. Wenige Monate später waren wir mit dem Wanderkirchenasyl wieder alle zusammen.
Und wie: es war eine ungeheure Herausforderung, der wir uns gegenübersahen. Aus den zunächst 21 kurdischen Flüchtlingen, die für vier Wochen im Kirchenasyl der Evangelischen Gemeinde Köln waren, wurden schnell 40, 60, bald über 100 in vielen Kirchen in Köln, dann in Düren und Aachen und bald auch in Bielefeld und Dortmund.
Norbert arbeitete Tag und Nacht, schrieb, layoutete und druckte die meisten der zahllosen Flugblätter und Plakate. In der permanenten Auseinandersetzung über eine Lösung für die, die schon da waren oder eine Ausweitung der Aktion, hatte er eine eigene Haltung, die konsequente Unterstützung aller, die den Schutz der Aktion brauchten. Als unsere Bemühungen stockten, weitere Gemeinden zur Aufnahme von Flüchtlingen zu bewegen, sah er keinen anderen Weg, als zusammen mit den "Neuen" - aber ohne Rücksprache mit der Kampagne - Kirchen in Wuppertal und Oberhausen zu besetzen.
Norbert war beharrlich, manchmal dickköpfig. Nach der Annahme der Verhandlungsergebnisses mit dem Innenministerium, dem Weg in die "Einzelfalllösung", blieb er an der Seite der Flüchtlinge. Für ihn stand das Schicksal der konkreten Menschen, die persönliche Beziehung vor politischen Überlegungen.
Ich vermisse ihn - schon lange. Und ich bin froh, ihn gekannt zu haben.
Jan

Angehängte Dateien: