Protestmarsch mit demonstrativen Inszenierungen zum Wanderkirchenasyl in NRW

Die Aachener Gruppe des Wanderkirchenasyls ruft
mit Unterstützung aus anderen NRW- Städten auf zum
Protestmarsch mit demonstrativen Inszenierungen zum Wanderkirchenasyl in NRW

26. August 2000, 13 h, Ac

Treffpunkt Kugelbrunnen, weiter über Elisenbrunnen bis zum Markt


Treffpunkt für KölnerInnen:

11.10 Uhr - Bahnhof Ehrenfeld ( Venloer Str./Gürtel)

Er muß sich derzeit vor Polizei und Militär verstecken. 2 Kinder wurden Fatma Bag per Abschiebung entrissen. Ihre Schicksale sind typisch für ca 30.000 jährliche Abschiebungen.
Ihre Dörfer in Kurdistan wurden vom Militär zerstört; sie sind bei der türk. Polizei gefoltert worden; sie verweigerten sich dem Krieg gegen ihre Landsleute. Eine Zukunft dort ist bei ihrem passiven und aktiven Widerstandes z.Zt. undenkbar. Sie können allein wegen exilpolitischen Auftretens nicht in die Türkei zurück, sie sind Gefangene vor dem eigenen Land.
Der türkische Staat hingegen kann seine Kurdenpolitik durch den EU- Aufnahmestatus einmal mehr als anerkannt betrachten. Entgegen den aktuellen Berichten von Menschenrechtsorganisationen zur andauernden Verfolgung der kurd. Bevölkerung behauptet das deutsche Außenministerium Fortschritte zur Menschenrechtsfrage in der Türkei. Andere Folterstaaten wie etwa Iran oder Nigeria werden angesichts außenpolitischer Interessen Deutschlands / der EU vergleichbar hofiert.
Nach deutschem Recht wurden Anträge von KurdInnen auf Asyl zu 70% abgelehnt. Viele Flüchtlinge müssen sich ihrer Abschiebung durch Abtauchen in die Illegalität entziehen. Illegalität bedeutet absolute Rechtlosigkeit: ohne Anspruch auf medizinische Versorgung, ohne die Möglichkeit, den Lebensunterhalt selbst zu bestreiten, kein Schulbesuch für die Kinder, völlige Perspektivlosigkeit unter ständiger Angst vor Entdeckung. Die letzte Station des Asylverweigerungverfahrens in Deutschland ist der Abschiebeknast: Hochsichere Abschreckungsmaßnahme zur Vollstreckung der Auslieferung von Flüchtlingen auch in die Hände ihrer Folterer.
"Illegale" Menschen im Kirchenasyl leben in einer Art offenem Gefängnis: Bei Aufgreifen durch die Polizei sind sie jederzeit von Abschiebung in die Türkei bedroht. In Duisburg wurde z.B. Anfang Juli das Kirchenasyl der Roma-Familie Zumberov aus Makedonien polizeilich abgeräumt. Im Wanderkirchenasyl leben noch fast 300 Menschen seit 2 ½ Jahren in ungewisser Situation. Perspektivlosigkeit und fehlender Schutz machen psychisch krank. Schlaflosigkeit, schwere Depressionen, Traumatisierungen und gravierende psychosomatische Störungen bis hin zur Suizidgefährdung sind einige Folgen.
Wir brechen auf !
Das Wanderkirchenasyl und andere Initiativen zeigen: Sowohl die politische Isolation, als auch die wirtschaftliche und soziale Gefangenschaft illegalisierter Menschen kann aufgebrochen werden. Das erfolgreich errungene Bleiberecht für einige Flüchtlinge im Wanderkirchenasyl reicht jedoch bei weitem nicht! Wir brauchen Unterstützung! Wir brechen auf zum politischen Protest gegen die repressiv fortgesetzte Flüchtlingspolitik rotgrüner Regierungsmehrheiten.

· Kein Mensch ist Illegal
· Bleiberecht für alle
· Abschiebestopp in den Folterstaat Türkei

Gefangen in der Unmenschlichkeit - wir brechen auf!