Plakatwettbewerb

Die Kölner Kampagne „kein mensch ist illegal“ möchte mit einem Plakat zu alltäglicher gesellschaftlicher Solidarität mit Menschen ohne Papiere auffordern.

Grundidee
Die Kölner Kampagne „kein mensch ist illegal“ möchte mit einem Plakat auf die miserablen Lebensbedingungen von illegalisierten Menschen aufmerksam machen. Wir bitten Künstlerinnen und Künstler, sich an diesem Plakatwettbewerb zu beteiligen, der zum Ziel hat, die Situation der Menschen in dieser Gesellschaft sichtbar zu machen, die persönlich unsichtbar bleiben, um ihr Leben in Deutschland nicht zu gefährden. Sichtbar werden soll aber auch, dass es möglich ist, zu helfen und sich für Illegalisierte einzusetzen. Wie diese Unterstützung aussehen kann sowie weitere Informationen finden Sie auf unserer Homepage, etwa unter der Rubrik „über uns“.

Plakatgestaltung
Das Plakat sollte in sich verständlich sein und die Idee des Wettbewerbs plakativ und öffentlichkeitswirksam umsetzen.

Details

  • Format: DINA2
  • auf dem Plakat sollte Platz für eine Kontaktadresse, z.B. www.kmii-koeln.de oder eine Telefonnummer, vorgesehen werden
  • Übermittlung per e-Mail oder auf CD-ROM
  • Dateiformate: Quark X Press, Pagemaker, Freehand, Photoshop, In Design, Illustrator, pdf

Einsendeschluss
Einsendeschluss ist der 30. April 2006. Bitte denken Sie daran, uns Ihren vollständigen Namen, Adresse, Telefonnummer und e-Mail-Adresse zukommen zu lassen.
Einsendungen bitte an „kein mensch ist illegal“, c/o Allerweltshaus, Körnerstr. 77-79, 50823 Köln oder per e-Mail an: kmii-koeln@gmx.net.
Wir bitten nach Einsendeschluss von Nachfragen abzusehen. Eine begründete Ablehnung ist uns leider nicht möglich. Wir bitten dies zu entschuldigen.

Jury
Die unabhängige Jury besteht aus:

  • Anneliese Fikentscher (Arbeiterfotografie)
  • Prof. Michael Gais (»Köln International School of Design« / FH Köln)
  • Gabriele Metzner (Kölner Netzwerk „kein mensch ist illegal“)
  • Prof. Uwe Loesch (Bergische Universität Wuppertal)
  • Prof. Iris Utikal (»Köln International School of Design« / FH Köln)

Was geschieht mit den Einsendungen?
In einer Wanderausstellung sollen alle geeigneten Plakatentwürfe, in denen die Lebenssituation von und die Solidarität mit illegalisierten Menschen Thema sind, öffentlich gemacht werden. Daneben werden die Entwürfe auch auf www.kmii-koeln.de präsentiert. Zwar kann „kein mensch ist illegal“ kein Preisgeld zahlen, aber in einer Kampagne pressewirksam das von der Jury ausgewählte beste Plakat veröffentlichen. Außerdem sollen die Plakate auch in Form von Postkarten zur Verfügung stehen.

Rückfragen an kmii-koeln@gmx.net oder 0221-7325371

 

DISKUSSION

.................................................... 28. März 2006
Hallo Leute,
Milto hier von Kanak Attak. Ich habe über verschiedene mail-Verteiler von eurem Plakatwettbewerb erfahren.
Finden wir gut sowas. Aber warum bloß soll es wieder nur um das Leiden gehen und warum geht es mit keinem Wort um die Forderung nach Legalisierung?
Ich meine in LA sind vorgestern 1 Million Leute für Legalisierung auf die Straße gegangen!!! Was muss noch passieren, damit wir hier die 90er verlassen?
Warum fällt uns das in D-land so schwer?
Die Diskussion ist doch nun lange genug geführt worden. Die Gesellschaft für Legalisierung hat durchaus Darstellungsformen gefunden, die Handlungsfähigkeit und auch die Kämpfe der Illegalisierten selbst sichtbar zu machen.
Warum nehmt ihr das nicht an?
Warum beharrt ihr immer noch darauf, Migranten nur als Opfer darzustellen?
Warum scheut ihr vor dem Schritt, auch eine politische Perspektive zu benennen – nämlch das Recht auf Legalisierung?
Ich verstehe es einfach nicht mehr!!!
Gruß,
Milto.

.................................................... 4. April 2006
Lieber Milto,
ich möchte mit ein paar Tagen Verspätung auf deine mail antworten.
Ich fange mal von hinten an: gegen die Forderung nach Legalisierung spricht garnichts – und wir auf jeden Fall nicht. Dass wir sie auf dem geplanten Plakat so explizit nicht aufstellen, liegt an der konkreten Absicht des Plakts, nämlich dem Aufruf zu zivilgesellschaftlicher Solidarität mit Menschen ohne Papiere. Ganz im Sinne des Aufrufs “kein mensch ist illegal” von 1997, der es ja schon vermied, politische Forderungen zu erheben, und stattdessen listig-subversiv den Staaten das Recht absprach, Menschen zu illegalisieren. Klar sind wir damit noch ganz in den 90ern. Denn die Million Menschen waren eben nicht in Hamburg oder Berlin auf der Straße, sondern in LA.
Das darf aber – da hast du völlig Recht – die Einforderung dieses Rechts nicht implizit ausschließen. Und es soll keine billige Ausrede sein, sich um deinen ersten Kritikpunkt herumzumogeln. Ich finde auch, dass wir in der Ausschreibung des Wettbewerbs den Opferstatus von “Illegalisierten” übermäßig betont haben (das sie es AUCH sind, ist banal). Nun lässt sich der Aufruf nicht mehr einfangen. Ich schlage vor, dass wir unsere Diskussion darüber auf unserer homepage und – soweit möglich – für alle an einer Teilnahme am Wettbewerb Interessierten öffentlich machen.
Ich hoffe auf dein Einverständnis.
Herzlichst
Jan Henkel

.................................................... 4. April 2006
Hallo Jan,
ja gegen die Öffentlichmachung habe ich nichts.
Ich beobachte das alles eben und es ist ja einfach so, dass es viele Kampagnen, Plakatwettbewerbe gegeben hat, die die Sensibilisierung über das Elend zum Ziel hatten, aber wenig, die mit einer positiven Zielsetzung arbeiteten.
ebenso
Milto.

.................................................... 11. April 2006
Es besteht kein Zweifel, dass ‘kein mensch ist illegal’ in Sachen “Helfen” ihre Arbeit gut macht. Ich kann aber Milto mehr als gut verstehen und beobachte gerade in linken Kreisen, dass Bilder von MigrantInnen als “Opfer oder Bedürftige” weiterhin reproduziert werden und das alles, ohne dass eine politische Strategie zu Gunsten der MigrantInnen sichtbar wäre.
Mag ja sein, dass die Produktion solcher Bilder immer noch notwendig ist um zivilgesellschaftliche Solidarität in der deutsche Mehrheitgeselschaft zu erwecken, ich bin mir aber auch sicher, dass solche Bilder behindern, dass migrantische Selbstermächtigung entsteht und wenn sie ensteht, wird sie weder wahrgenommen noch respektiert. Hier ein Beispiel, um zu verdeutlichen, wie solche Bilder uns MigrantInnen das Leben erschweren:
Seit Anfang – Mitte der 90er Jahre, als die ganze “Antirassismuswelle” anfing, wurde bei uns im “Wohnprojekt Marienstrasse 21” der Einzug “migrantischer bedürftigter Frauen” bevorzugt. Die Verwaltung des Elends blieb natürlich weiterhin in Hand einiger deutscher Frauen, und ausgewählte MigrantInnen durften zeitweilig an den deutschen Privilegien kosten. Mit großer Inszenierung partizipatorischer Versammlungen (wie nur die Linke sie in der Lage ist zu veranstalten) sollte die migrantische Frau das Gefühl bekommen, Mitbestimmungsrecht zu haben. Der Status der Migrantin, der nicht nur an Bedürftigkeit, sondern auch an Gehorsamkeit gekoppelt war, endete prompt, wenn sie wagte, die bestehenden Machtverhältnisse in Frage zu stellen.
Du fragst dich, Jan wahrscheinlich, was hat denn das hier zu suchen? Und ich sage dir: Viel! Denn, wie glaubst du, dass wir MigrantInnen den Status der “Bedürftigen” uns aus dem Körper ausschütteln können und trotzdem weiterhin Gehör finden?
Alles muss wohl für die deutsche Mehrheitsgesellschaft im Rahmen der Konsumierbarkeit bleiben.
cecilia gray (dritte-welt-diva-girls)

.................................................... 21. April 2006
Leider kann ich mit dem Diskussionsbeitrag in seiner Pauschalität (s. letzter Satz) und wegen der vermeintlichen Konkretisierung von Vorwürfen anhand des Beispiels Marienstraße nichts anfangen.
Das heißt, dass damit auch die Vorwürfe der Nichtwahrnehmung “migrantischer Selbstermächtigung”, “zeitweilig an den deutschen Privilegien kosten” und “Inszenierung partizipatorischer Versammlungen” für mich völlig in der Luft hängen.
Was soll denn zu Gehör gebracht werden, wenn der Status der Bedürftigkeit abgeschüttelt wird? Gibt es einen Vorschlag für eine politische Strategie, deren Fehlen hier bemängelt wird? Da könnte der Beitrag interessant sein, dazu aber enthält er nichts.
Gabriele

 

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