Kritik an Abschiebungen - Landesweite Kampagne verfremdet Plakate in der Stadt

aus der WAZ, Oberhausen 16. April 2002

Die Kampagne "kein mensch ist illegal" hat erneut Plakate gegen Ausländerfeindlichkeit verfremdet und reguläre Plakate im Stadtgebiet damit überklebt.

"Willkommen Mensch" lautete der Schriftzug über einer ausgestreckten, offenen Hand des Originalplakats. Darunter stand: "Oberhausen duldet keinen Rassismus".
In der neuen Version haben Aktivisten von "kein mensch ist illegal", die bereits Anfang Januar städtische Plakate veränderten, die einzelnen Finger der offenen Hand jeweils mit den Worten "Abschiebung", "Kontrolle", "Sicherheit", "Überwachung" und "Rasterfahndung" überklebt. Die Unterschrift lautet nun: "Oberhausen duldet Rassismus".
In einer Stellungnahme erklärte "kein mensch ist illegal" ihre Aktion als Kritik an der Abschiebepolitik der Stadt und an der wachsenden Überwachung von Ausländern nach dem 11. September 2001: "Antirassistische Politik heißt nicht geschönte Plakate zu drucken, sondern bestehende Verhältnisse aufzuzeigen und sie zu hinterfragen."
In diesem Zusammenhang kritisierten die Aktivisten, dass die Schülerinnen Anita Dufie und Roberta Sackey "trotz massiver Proteste" abgeschoben werden sollen.
"Das Plakat 'Willkommen Mensch' ist ein gut gemeinter Schritt gegen Rassismus. Doch vernachlässigt das Plakat die vorherrschende rassistische Realität und Praxis in Oberhausen", heißt es weiter.
Kritik wird auch am Kölner Ausländerzentralregister geübt, das Daten und Fingerabdrücke von Migranten meist ohne deren Wissen speichere und überwache.
Der Herausgeber des Ursprungsplakats ist das Kommunale Bündnis für Demokratie, Toleranz, Fremdenfreundlichkeit. "Wir nehmen die Karikatur des Plakats hin", sagte der Koordinator Hans Tscharke. "Es ist ja eine freie Meinungsäußerung. Über die regen wir uns nicht auf." Heinz Kramer von der Deutsche Städte und Medien GmbH spricht von einer vierstelligen Schadenshöhe.

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weitere Informationen: http://de.indymedia.org/2002/04/19856.shtml