Ein Schiff zuviel

Aktion während der Fronleichnamsprozession Mülheimer Gottestracht am 19. Juni 2003 auf der Mülheimer Brücke

   - Fronleichnam: Das gläubige „Wallen“

- Der realpräsente Gott wird sichtbar. Er verlässt das „fanum“ und durchzieht das „profanum“ (das dem Allerheiligsten Vorgelagerte).

   - „Es begleitete ihn auf dem Weg das Volk in großen Scharen“ (Tagesevangelium, Lk 14,25ff.)

Der prächtige Aufzug der Schiffe bei der „Mülheimer Gottestracht“ auf dem Kölner Rhein erreicht die Deutzer Brücke nicht. Damit bleibt den Teilnehmern und Zuschauern an diesem katholischen Feiertag der Blick auf ein vergessenes Schiff erspart: Das Containerschiff für Flüchtlinge, seit Dezember letzten Jahres gechartert und fest an der Kaimauer der Deutzer Werft verankert. Jeder, der sich auf der Deutzer Brücke stadtauswärts bewegt, kann es auf der rechten Seite in seiner ganzen abstoßenden Scheußlichkeit liegen sehen.

Auf dem Kahn sind momentan 191 Personen, davon 88 Kinder, in 80 Kabinen zwangsweise eingepfercht. Warum? Nicht aus freien Stücken, sondern nach dem Willen der Stadt, die zuletzt mit diesem Coup versucht hat, Köln für „unerlaubt eingereiste Personen“, zumeist Roma, möglichst unattraktiv zu machen und die Schutzsuchenden auf ihrer Odyssee durch Europa aus der Stadt zu verjagen.

Das wirkliche „profanum“ (s.o.: das dem Allerheiligsten Vorgelagerte) befindet sich also nur ein kleines Stückchen weiter als das allgemeine Interesse, auch an Fronleichnam, reicht. Das Flüchtlingsschiff ist die skandalöseste Schmuddelecke der Kölner Sozialpolitik unter der Regie einer Partei, die sich Christlich-Demokratische Union nennt.

Allein die verordnete Sammelverpflegung kostet monatlich 310 Euro pro Person – gegenüber einem Sozialhilfesatz von 224 Euro. Über den Charterpreis für das Schiff schweigt die Verwaltung. Auch die Bewachung rund um die Uhr muss bezahlt werden. Noch immer also leistet sich die Stadt die hohen Kosten ihres Abschreckungswahns.

Dabei hat CDU-Bietmann inzwischen offiziell das Scheitern der Abschreckung eingestanden. Ein später Triumph und ein Punktsieg für den hartnäckigen Widerstand gegen soziale Kälte und Ausgrenzung in Köln? Ein Erfolg gegen den kommunalen Testlauf der im Zuwanderungsgesetz vorgesehenen Ausreisezentren, um bald ganz Deutschland gegen Flüchtlinge abzuschotten? Köln hat sich als Musterknabe der Abschreckung versucht und ist gescheitert. Zumindest vorläufig und auf dem Papier. In der Praxis aber hat sich noch nichts geändert. Vielleicht hilft der CDU ja eine nachpfingstliche göttliche Erleuchtung auf die Sprünge: „Der Herr ward mein Beschützer. Er führte mich hinaus in die Weite“ (Evangelium vom letzten Sonntag).

Wir fordern:

Das Schiff muss weg – sofort!

Menschenwürdige Wohnungen, Arbeit oder Sozialhilfe für alle!

Schluss mit der aufgezwungenen Sammelverpflegung!

Für die Kinder einen sicheren Platz zum Spielen, Schulbildung und eine Zukunftsperspektive!

Weitere Fotos: Arbeiterfotografie