Dieser Schmerz betrifft uns alle!

Völkermorde erinnern – Kriege verhindern“

Matinee, Sonntag, 15. April 2018, 11 bis 14 Uhr

Filmforum NRW im Museum Ludwig, Bischofsgartenstraße1, 50667 Köln

im Vorfeld des Gedenktages an den Genozid an den Armeniern (24. April) organisiert die Kölner Initiative „Völkermord erinnern“ eine Veranstaltung zur aktuellen Kultur des Erinnerns. Die Völkermorde, die von Deutschland ausgegangen oder unterstützt wurden, gemeinsam zu erinnern, ebnet den Weg für eine transnationale Erinnerungskultur, die sich gegen Nationalismen wendet.

Am 15. April wird im Filmforum NRW Doğan Akhanlı zur türkisch-deutschen Erinnerungskultur sprechen. Wie viele andere wurde der Kölner Schriftsteller politisch vom türkischen Staat verfolgt, weil er in seinen Büchern und Artikeln den Völkermord an den Armeniern zum Thema macht und sich gegen das Verleugnen und Vergessen einsetzt.

Für den Schriftsteller Peter Finkelgruen hat das Erinnern an die Shoah auch eine familiäre Dimension. Im März 2012 wurde in der Nähe seiner Wohnung  anlässlich seines 70. Geburtstages sowie zur Erinnerung an seinen ermordeten Großvater Martin Finkelgruen ein Gedenkstein eingeweiht. Ende Juni 2016 wurde dieser Stein durch einen antisemitischen Farbanschlag geschändet. Auf der Veranstaltung berichtet er unter anderem, wie in Deutschland über den Genozid an der jüdischen Bevölkerung Europas bis Mitte der 1960er Jahre Friedhofsstille herrschte.

Israel Kaunatjike berichtet über den neuesten Schlängelkurs der deutschen Politik, sich für den Völkermord an den OvaHerero und Nama zu entschuldigen und dafür zu bezahlen. Deutsche Soldaten töteten zehntausende Menschen Anfang des 20. Jahrhunderts in der damaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika, dem heutigen Namibia. Kaunatjike ist der einzige Nachfahre, der in Berlin lebt und sich unter anderem im Bündnis „Völkermord verjährt nicht! Berlin Postkolonial“ engagiert. Der 71-Jährige sagt, „solange wir keine Anerkennung des Völkermordes, keine Reparationen von der Bundesrepublik Deutschland erhalten haben, werde ich weitermachen“. Seit 2004 setzt er sich für die Rückführung der Schädel von Häftlingen aus den Internierungslagern in Deutsch-Südwestafrika ein, die zwischen 1905 und 1908 zur Rassenforschung zum Kaiser-Wilhelm-Institut gebracht wurden.

Die Rechtsanwältin Nizaqete Bislimi floh als 14-Jährige mit ihrer Familie aus dem Kosovo. Es war das Jahr 1993, in dem das Asylrecht zum ersten Mal massiv eingeschränkt wurde und der rassistische Brandanschlag in Solingen, Migrant*innen in Angst und Schrecken versetzte. Als Vorsitzende des Bundes Roma Verbandes wird sie auf der Veranstaltung vom langen Schweigen über den Genozid an Roma und Sinti sprechen. Und darüber, welche Konsequenzen daraus nicht gezogen werden.

In der Matinee werden zwischen den Wortbeiträgen Filmausschnitte gezeigt (siehe Flyer).

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